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„Der Immobilienmarkt zeigt erste Anzeichen einer Belebung. Zwar prüfen Investoren wieder mehr Vorhaben, doch anspruchsvolle Finanzierungsbedingungen, hohe Baukosten und regulatorische Hürden erschweren die Umsetzung vieler Projekte weiterhin“. So heißt es lakonisch im Schlussbericht der Messe München vom 7. Oktober 2026 – Zeit für Beobachtungen in einer anderen Welt des Bauens.

oben: Die Metropolregion München präsentiert sich auf der Expo Real, auf der es nicht um Architektur, sondern Geldvermehrung geht: Investieren und Wachsen auf-Teufel-komm-raus. (Bild: Karl J. Habermann)

Das Spielzeug der Global Player

Die Messerealität: Man geht wie gewöhnlich den sozialen, politischen, ökologischen Problemen mehr oder minder geschickt, aber konsequent aus dem Weg. Eine international ausgerichtete Messe wie die Expo Real in München bedient sich auf ihren Diskussionsforen und Vortragsarenen vorwiegend der englischen Sprache. Dieses Mal kommt zu den bekannten Themen Housing, Industrial, Office, Logistics und Retail das „Infrastructure Investment“ mit Data Centres, Parking, Energy, Digital und Water hinzu. Begriffe wie Longevity, Resilience und Decarbonisation sorgen für Striking Impact.
Wirft man zur Begriffsklärung „Messewesen“ einen scheuen Blick in Wikipedia, taucht hier tatsächlich die Aufgabe  „Tranzparenz zu schaffen“ auf. Beim ersten Gang durch die Hallen stößt man in München nun auf die bekannte Strategie der Messe, große Gemeinschaftsstände von Städten und Gebieten mit ihren Investoren,  Finanzinstituten und Baukonzernen zu trennen und in jeder Halle Schwerpunkte zu setzen. Auftritte werden eingestreut, etwa von Ländern wie dem Emirat Abu Dhabi, den Niederlanden, Österreich, Tschechien, Schweiz, Spanien, Polen oder Finnland.

Bauen auf der Grünen Wiese: So lockt man Investoren an, wie hier im „Euro-Park Ząbkowice“ (Bild: siehe Link)

Dabei spielen Hauptstädte wie Wien, Prag, Barcelona oder Warschau eine herausragende Rolle. Der Zugang nahezu jeder Halle wird von den Beratungsgrößen dominiert. Die Zuteilung der Foren zu Themen wie Infrastructure Now, Networking, Investment, Flexible Housing und Urban Future Stage erfolgt wohl eher nach dem System „Füllung freier Flächen“. Der Messezirkus, eher dem Leitbild einer beabsichtigten Bespaßung folgend, kann beginnen. Expo Real: ein Club der Intransparenz: „Die Suche nach Ergebnissen gemäß ESG-Maßstäben gestaltet sich trotz gültiger Verordnung schwierig.“ (Verordnung (EU) 2019/2088 des Europäischen Rates vom 27. November 2019 über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor).

Boomtown Munich

Im Zentrum der Halle A1 bilden München und die Metropolregion Nürnberg einen ersten Schwerpunkt. Dass zur Eröffnung der Messe durch die Bundesbauministerin der Oberbürgermeister von München nicht vor Ort war, ist seine Entscheidung. Das Programm des sogenannten Podiums – einer geringfügig erweiteren Verkehrsfläche zu Randthemen wie Bildungsbauprogramm, Qualitätsdruck, Hitzeresilienz, Effizienz und CO2-Reduzierung, einem neuen grünen Gewerbeband, Tech-Hauptstadt  und Bauturbo – blieb mit Sonntagsreden an der Oberfläche. Die brennende Frage nach konkreten Bemühungen um bezahlbaren Wohnungsbau wurde mit wortreichen Absichtserklärungen beantwortet. Das Wohnungsbauprojekt für Angestellte der Stadtwerke taugt nicht als Paradebeispiel für verantwortungsbewusstes Handeln für alle Bedürftigen, sondern eher für geschickte Selbstbedienung im Etat für die Stadt.

Geht’s auch anders?

Einige positive Stadtplanungs- und Baugeschichten seien hier doch noch hervorgehoben.

– Helsinki plant die potenziellen Erweiterungen akribisch mit weiter, zeitlicher Vorausschau. Für das ehemalige Industriegebiet Hanasaari mit dem stillgelegten Kraftwerk des Architekten Timo Penttilä als Landmark und das angrenzende Wohngebiet Kalasatama wird ein Ideenwettbewerb ausgeschrieben.
– Madrid bietet mit einem städtebaulichen Entwicklungsband nach Norden, von RSHP konzipiert, aus einem verdichtetem Rückgrat entlang einer Erschließungsachse mit Metro, Schnellbahn und Busnetz, begleitet von Wohnstrukturen und ideenreich gestalteten grünen Parkanteilen „eine Stadt der Zukunft“ an.

Hamburg bauhistorisch exzellente Adresse: die Speicherstadt. (Bild: Wilfried Dechau)

Hamburg bauhistorisch exzellente Adresse: die Speicherstadt. (Bild: Wilfried Dechau)

– Hamburg – die berühmte Speicherstadt wird unter anderem mit einem sorgfältig organisierten Vermietungsmanagement wiederbelebt.
– In Bad Aibling hat sich Dank einer seltsam gestalteten Reihe von Versuchsbauten, entworfen von Florian Nagler (Prof an der TU München), der örtliche Bauunternehmer und Investor zu einem erfolgreichen Bauen mit Holz entschieden und seinen Wirkungskreis über Bayern hinaus erweitert.

Wertschöpfungsketten

Kostengünstiges Planen und Bauen bleibt aus Gründen, die auf der Expo Real unfreiwillig höchst anschaulich demonstriert werden, Utopie. Nachdem in der Vergangenheit eine vertrauensvolle Verständigung zwischen Bauherrschaft, ArchitektInnen, FachplanerInnen und ausführenden Firmen für ein kostengerechtes Bauen genügte, ist nun eine Heerschar von Beratern (Consultants), Entwicklern (Developer), Investoren (Spekulanten), Geldgebern (Bankenkonsortien), Baukonzernen, (Generalunter- oder Übernehmer mit Subunternehmern), Bauüberwacher (Controler) unterwegs, die alle für ihre „Leistungen“ bezahlt werden wollen.
Werbeagenturen begleiten und unterstützen die Beteiligten mit allerlei Beiwerk wie Videos in virtueller Realität. Zertifizierer belohnen in allen Phasen mit Silber, Gold oder Platin, auch nicht ganz kostenfrei. Bauherr und ArchitektInnen geraten ins Hintertreffen. ArchitektInnen und Gesetzgeber stellen sich auf dem Weg zu nachhaltiger Architektur mit Gebäudetyp E selbst noch ein Bein.
Es bleibt angesichts der gescheiterten liberalen „Sozialen Marktwirtschaft“ eines Ludwig Erhard nur die Hoffnung auf bessere Zeiten. Allerdings meint ein potenter Anbieter von Industrie und Logistik, eine verstärkte Investition in „Defense“ könne der Szene im Bereich Industrie- und Lagerflächen von 37 bis 75 Millionen Quadratmetern geradezu eine Wachstumswelle bescheren. Eine frohe Botschaft? Aussichten auf eine friedliche Welt sind das nicht.


Quellen, Informationen (Abgerufen am 19.19.2026)

https://de.wikipedia.org/wiki/Environmental,_Social_and_Governance

https://en.wikipedia.org/wiki/Hanasaari_Power_Plant
https://www.hel.fi/en/news/idea-competition-to-develop-helsinkis-hanasaari-area-pre-launches-at-munichs-expo-real
https://www.hel.fi/en/urban-environment-and-traffic/urban-planning-and-construction/plans-and-building-projects/hanasaari-power-plant-area

https://rshp.com/projects/masterplanning/madrid-nuevo-norte-mnn/
https://creamadridnuevonorte.com/en/
https://creamadridnuevonorte.com/en/browse-the-project/
https://share.google/NcegL5mHmXlIS7HMx

https://www.shmh.de/speicherstadtmuseum/
https://hhla.de/magazin/klimaspeicherstadt
https://hhla.de/unternehmen/tochterunternehmen/immobilien/bauprojekte

https://www.haufe.de/immobilien/limmo-podcast-expo-real-2026-messe-der-1000-stimmen_22_700258.html
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