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Kirche, Kunst und Kirchenkunst

2544_REZ_KoelnKirchen_HB KopieLeerstehende Kirchen bezeugenden Glaubens- und Wertewandel unserer Gesellschaft. Doch auch Agnostiker, denen Architektur nicht ganz gleichgültig ist, finden an Kirchengebäuden Interesse. Wo sonst begegnet man solchen Raumschöpfungen, nachvollziehbaren Tragwerken (Gotik), raffinierter Lichtführung und schmückender Ausstattung (Barock)? Auch die Moderne hat Architekten bei dieser Bauaufgabe zu Höchstleistungen motiviert – und bisweilen auf Abwege geführt. 


Hiltrud Kier und Martin Struck (Hrsg.): Moderner Sakralbau in Köln. 480 Seiten, 13,5 x 19 cm, 598 farb. Abbildungen, Bibliographie, Indices, broschiert. Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, Köln 2025. ISBN 978-3753308418, 18 €

Hiltrud Kier und Martin Struck (Hrsg.): Moderner Sakralbau in Köln. 480 Seiten, 13,5 x 19 cm, 598 farb. Abbildungen, Bibliographie, Indices, broschiert. Verlag der Buchhandlung Walther und Franz König, Köln 2025. ISBN 978-3753308418, 18 €

Der vorliegende Band dokumentiert über 200 Sakralbauen aus der Großstadt Köln, herausgegeben von Hiltrud Kier, der ehemaligen Stadtkonservatorin und Generaldirektorin der Museen, zusammen mit Martin Struck, der bis 2023 Diözesanbaumeister ebenda gewesen ist. Dass sich das Unterfangen lohnte, erläutert das Vorwort: „Die außerordentliche Qualität und Fülle moderner Sakralbauten in Köln verdankt sich also der glücklichen Koinzidenz von zusätzlichem Bedarf, neuen technischen Möglichkeiten, einer liturgischen Erneuerung, aufgeschlossenen Bauherren und vorhandenen Mitteln.“ Neben vielen überregional weniger bekannten Architekten sind selbstverständlich vertreten: drei Generationen Böhm, zwei Generationen Bienefeld, die Ehepaare Schwarz und Schürmann und als jüngster Eintrag Sauerbruch Hutton. Selten ist der Planverfasser unbekannt. Und bemerkenswert ist, dass Abrisse und profane Umnutzungen ebenfalls zur Baugeschichte gehören.

Kirche von Sauerbruch Hutton in Köln, 20, (Abbildung aus dem besprochenen Band)

Evangelische Kirche und Gemeindezentrum in der Bonhoefferstraße 8 in Köln, Sauerbruch Hutton in Köln, 2009-2013 (Abbildung aus dem besprochenen Band)

Die zwischen dem Ersten Weltkrieg und der Gegenwart entstandenen Gebäude sind nach Stadtteilen inventarisiert, eine kleine Karte und ein Text zur Stadt- und Kirchengeschichte orientieren die Kapitel. Als hilfreicher Cicerone nennen die einzelnen Beiträge nicht nur den Standort der Kirchen, sondern auch die nächste Haltestelle des ÖPNV. Berücksichtig sind alle Konfessionen, aber manchmal erfährt man nur zwischen den Zeilen, ob es sich um ein katholisches oder evangelisches Gotteshaus handelt.

Böhm, Kirche (Abbildung aus dem besprochenen Band)

Böhm, Kirche (Abbildung aus dem besprochenen Band)

Verschiedene AutorInnen bemühen sich in ihren Texten um Sachlichkeit, können aber auch mal Begeisterung nicht verbergen. So heißt es (etwas holprig) über Gottfried Böhms Auferstehungskirche: „Dieses ‚Gewölbe‘ aus Beton ist vermutlich das Beste, was jemals aus diesem Werkstoff gefertigt wurde, der in den so zahlreich vertretenen Händen wenig begabter Bauunternehmer zum Inbegriff des Niedergangs unserer Baukultur wurde.“ Kritische Wertungen, die sich bei manchen Abbildungen aufdrängen, gibt es kaum. Und gottlob nur selten rekurrieren die Aussagen auf einen esoterischen Jargon, wenn von „im Geheimnis anwesenden Christus“ oder den „Geheimnissen des freuden- und glorreichen Rosenkranzes“ die Rede ist. Gemeint ist damit keine okkulte Information, sondern die „übernatürliche“ Dimension des Glaubens. Einen Anteil daran haben die Kirchen als materielle Basisstationen. Und Köln ist damit reich gesegnet.

Diese Publikation weckt Interesse für die Bauaufgabe. Sie ist kein Lesebuch, man möchte sofort losfahren und sich diese Architekturschöpfungen im Original anschauen.