Wie kann man in einer überregulierten Welt handlungsfähig bleiben – oder es wieder werden? Alle Bemühungen um Entbürokratisierung haben bislang nicht geholfen. Vielleicht, weil sie von einigen, die sie fordern, eigentlich nicht gewünscht ist. Aber auch, weil die Potenziale der Architektur dabei nicht genutzt werden. Das sollte man ändern.
Erneut ist ein prominentes Beispiel vom Abriss-Alltag betroffen. Im Zentrum Stuttgarts soll ein Haus zerstört werden, das Teil der Nachkriegsgeschichte der Stadt und untrennbar mit ihr verbunden ist: das Haus der Buchhandlung Wittwer. Das Gebäude ist nicht nur das Zeugnis einer Bauepoche, sondern auch das einer jungen Demokratie im Aufbruch – deren Zeugnisse aber auch anderswo verschwinden.
Klimawandel? Boden, ein schützenswertes, weil unvermehrbares Gut? Demografischer Wandel? Bauen und Kreislaufwirtschaft? Alles unwichtig – jedenfalls dann, wenn das Thema Einfamilienhäuser und dessen Präsenz in politischen Diskussionen als Gradmesser dient. Das Deutsche Architekturmuseum nimmt nun einen neuen Anlauf, die Debatte über Einfamilienhäuser anzuschieben.
Wie man über Natur spricht, hat sich im Lauf der Jahrhunderte stark gewandelt. Das zeigt eine Ausstellung im Deutschen Historischen Museum in Berlin. Sie zeigt auch, welche Konsequenzen sich daraus ergeben – für Mensch und Umwelt. Und sie zeigt, wie der Begriff von Natur auf dem Feld politischer Auseinandersetzung instrumentalisiert wurde. Die Ausstellung ist darin aktueller denn je.
Vieles muss sich ändern, wenn die Erde bewohnbar bleiben soll – das wissen wir. Aber wenn es konkret werden soll, fehlen die Erfahrungen. Oder es wird gerade nur so viel geändert, dass möglichst viel so bleiben kann, wie es ist. Das muss man nicht hinnehmen, denn es bieten sich andere Optionen.
Studierte zunächst Kunst, dann Architektur in Aachen, Florenz und Stuttgart. War Redakteur der db, gründete mit Ursula Baus und Claudia Siegele 2004 frei04 publizistik. Schreibt Texte über Architektur und für freies Theater, macht Ausstellungen an der architekturgalerie am weißenhof und ist Landessekretär des BDA Hessen.
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