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Ohne Reifen und Räder taugt das Auto gar nichts. Ihre Ausführung folgt längst nicht mehr nur physikalischen Parametern, sie sind Designobjekte geworden. Eine Beobachtung, die sich auch auf Lichtschalter und Armaturen übertragen ließe. Form follows marketing.

Der fesche Platz für die Felgenschau: Parkplatz auf Sylt, wohin Autos mit dem Zug kommen. (Bild: Ursula Baus)

Arthur Haileys Roman Wheels wurde u.a. mit Rock Hudson und Lee Ramick verfilmt. (Bild: Wikicommons)

Arthur Haileys Roman Wheels wurde u.a. mit Rock Hudson und Lee Ramick verfilmt. (Bild: Wikicommons)

Anfang der siebziger Jahre erschien ein Thriller von Arthur Hailey. Er spielt in der gigantischen US-Autoindustrie, in der Manager, Designer, Techniker und Schichtarbeiter konfliktreich zusammentreffen. Das Auto ist im Buchtitel auf das reduziert, was man nicht neu erfinden muss: Räder. Ohne sie gäbe es keine Mobilität, kein Vehikel würde sich fortbewegen. Egal, was es antreibt: Räder, suggerierte 1964 ein Reifenhersteller den Fahrzeughaltern, sind „Die Beine Ihres Autos“. Damit man es sich besser einprägen konnte, zeigte er die Beine von Petra Schürmann. Und da sexy so gut lief, legte der italienische Pneu-Fabrikant einen Kalender mit erotischer Fotografie nach. Er erscheint bis heute.

Räder respektive Reifen waren längst zum Mythos geworden. Holperten die frühen Automobile noch auf hohen, schmalen Scheiben mit graubraunen Vollgummiwülsten, und selbst Rennwagen wirkten wie kippelige Blechkutschen, so hat sich die Erwartung an die vier Walzen, auf denen ein Fahrzeug vorwärtsgetrieben wird, grundlegend geändert. Ein deutscher Hersteller hat es mit drei Attributen zusammengefasst: Schwarz. Breit. Stark. Das wirkt weniger elegant und damenhaft, das passt zum Machogehabe auf der Überholspur. Oder erinnert an die kriegswichtige Reichsbahn: Räder müssen rollen für den Sieg.

Dass mit dem Kontakt zum Asphalt jede Menge physikalische Phänomene berührt werden, dass Straßenzustand, Steigungen, Kurven und Witterung wichtige Parameter sind, um ein Gummiprofil auszurüsten für Beschleunigung, Bremsen, Spurhaltung, ist die ernste Seite. Inzwischen gehört noch dazu, den Feinstaubabrieb zu begrenzen. Am Zustand der Reifen erkennt man die Autofahrer: die Ängstlichen, die Sportlichen, die Nachlässigen, die Routinierten, die Leichtsinnigen. Aber Sinn erhält das alles erst durch die Felge.

Jahrzehntelang war man beim Neukauf eines Autos damit zufrieden, dass verchromte Kappen mit dem Signet des Herstellers die schwarzen Blechfelgen abdeckten und höchstens ambitionierte Sportwagenfahrer in Speichenräder investierten. Heute sind Felgen ein unentbehrlicher Gegenstand zur Distinktion geworden. Ähnlich wie Sonnenbrillen oder Armbanduhren. Die geometrischen Möglichkeiten, eine Verbindung zwischen Radkranz und Nabe herzustellen, sind endlos. Man denkt an Turbinen, Quirle, Fräsen, gotisches Maßwerk oder die Waffen der Ninjas. Belüftet die Bremsen besser, sagen die Hersteller, und Leichtmetall verringert die ungefederte Masse, am besten ist eine Magnesium-Legierung, also nehmen Sie die Racing-Ausführung, geschmiedet.
Rad und Reifen, das bringt’s. Auf Autofotos ist deshalb immer die Lenkung kokett eingeschlagen, ein Vorderrad will unser erotisches Interesse gewinnen. Es sind die Beine des Autos.