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Jo. Franzke (Bild: Vera Friedrich)
Schon früh an großen und größten Projekten beteiligte, führte der Architekt Jo. Franzke rund drei Jahrzehnte ein erfolgreiches Büro in Frankfurt. Freunden und Bekannten galt er als Architekt nachgerade humboldtschem Ideals, der sich vielfach interessierte und keiner Diskussion aus dem Weg ging.

Der Plattenspieler SK 6 von 1960, das Tischradio RT 20 von 1961 und Komponenten der „atelier“-Stereoanlage aus den 1980ern – allesamt Entwürfe von Dieter Rams für Braun, (teilweise zusammen mit Hans Gugelot oder Peter Hartwein) –, dazu diverse analoge Kameras, verschiedene Ferrari-Modellautos, Magazine, Zeitschriften und Bücher: All das und noch viel mehr bewahrte der Architekt Joachim, genannt Jo, Franzke in einem Regal von USM Haller in seinem Büro im Posthof unweit des Frankfurter Hauptbahnhofs auf, die Wände drumherum voll mit gerahmten Zeichnungen, Fotografien und Drucken, die die Kunst- und Architekturgeschichte in einer ganz eigenen Ordnung der Petersburger Hängung rein subjektiv zusammentrug. Schon das konnte einen guten Eindruck geben von jenem Mann, den Freunde als ebenso wissenden wie bescheidenen Zeitgenossen beschreiben: gebildet, vielfältig interessiert und doch angenehm im Umgang.

Joachim Franzke wird 1941 in Berlin geboren. Zum Architekturstudium zieht es ihn 1964 an die Technische Hochschule Braunschweig und mit dreijähriger Unterbrechung weiter nach Aachen, wo er 1975 an der dortigen Technischen Hochschule sein Diplom ablegt. Im Anschluss sammelt er in Köln praktische Erfahrung im Architekturbüro Busmann+Haberer, wo er unter anderem am, gelinde gesagt, umfangreichen Doppelprojekt Museum Ludwig/Philharmonie beteiligt ist, und bei Erich Schneider-Wesseling. Aus Joachim ist da längst Jo. geworden, immer wieder mit Punkt geschrieben und damit die Abkürzung anzeigend. 1981 zieht es Franzke nach Frankfurt, wo er die Leitung des dortigen Büros von Oswald Mathis Ungers übernimmt. In dieser Zeit werden in Ungers‘ Büro am Main unter anderem das Deutsche Architekturmuseum und allein drei Gebäude für die Messe – die „Galleria“ genannte Wandelhalle, die Messehalle 9 und das Messe Torhaus – bearbeitet und fertiggestellt.

Ein Punkt als Marke

1986 dann macht Franzke sich selbstständig, die Abkürzung wird zur Marke: Jo. Franzke Architekten. Gleichermaßen präzise wie unprätentiöse Bauten entstehen vor allem in der Anfangszeit, in der es Jo. Franzke gelingt, sich formalästhetisch von der Formensprache des so viele Architekten maßgeblich beeinflussenden Ungers zu lösen. Was Franzke jedoch fortführt, ist eine Ideen von Stadt – vor allem der europäischen – und das Erkennen ihrer räumlichen Potenziale. So realisiert das Büro Gebäude in Frankfurt, die sich in den Dienst der Stadt stellen, ihre Räume fortschreiben, dabei aber durchaus zeitgeistig, ja mitunter modisch sind. Man muss kein Fan der Architektur der frühen 1990er-Jahre sein, um diese Qualitäten der Entwürfe Franzkes jenseits zeittypischer Motive in Form, Material und manchem Fügungspunkt zu erkennen.

Jo. Franzke Architekten, Bürohaus Theo106, Frankfurt am Main 2001–2002, Bild: Maxschreiner (Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0)

Jo. Franzke Architekten, Bürohaus Theo106, Frankfurt am Main 2001–2002, Bild: Maxschreiner (Wikimedia Commons / CC BY-SA 3.0)

Von 2003 bis 2011 führt Jo. Franzke das Büro gemeinsam mit Magnus Kaminiarz. In dieser Zeit entsteht das „Eschborn Plaza“ in Eschboern – eine aufgeräumte Großform vor den Toren Frankfurts – oder die Wohnbebauung „Tripoli Gate“ im libyschen Tripolis. Dass Franzke und sein Team also nicht nur in der Stadt, sondern auch in der Heterogenität der Zwischenstadt planen und bauen können, zeigen ebenso verschiedene Gebäude am Frankfurter Flughafen: 1993 wird das Kommunikationsgebäude des Flughafens fertiggestellt, ein stringenter Riegel, klar gegliedert und trotz der typischen 1990er-Spiegelglasfassaden in sich ruhend; 2000 wird mit dem Flugsteig A die in Zusammenarbeit mit Christoph Mäckler entwickelte souveräne Erweiterung des Terminal 1 eingeweiht; bis 2013 entsteht ein gläserner Hochhausturm auf dreieckiger Grundfläche am Rand des anschließenden Gewerbeparks Gateway Gardens. 2016 schließlich verkauft Franzke das Büro, das fortan als Jo. Franzke Generalplaner GmbH, geführt von Julia Zantke, eine hundertprozentige Tochter des schwedischen Architektur- und Ingenieur-Dienstleisters Sweco ist.


Streitbarer Streiter für die Baukultur


Jo. Franzke Architekten, Sanierung und Umbau Kuhhirtenturm, Frankfurt am Main 2008–2011, Bild: Dr. Thomas Liptak / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Jo. Franzke Architekten, Sanierung und Umbau Kuhhirtenturm, Frankfurt am Main 2008–2011, Bild: Dr. Thomas Liptak / Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Neben all dem ist Jo. Franzke stets mehr als „nur“ Architekt. Als durchaus streitbarer Geist geht er kaum einer Auseinandersetzung rund um Stadt und Architektur in seiner Wahlheimat am Main aus dem Weg. Er setzte sich für die Einrichtung eines Gestaltungsbeirats in der Stadt ein, engagiert sich im Bund Deutscher Architekten und veröffentlicht mit Volker Albus oder Manuel Cuadra Bücher zum Frankfurter Baugeschehen.

Die Räume im Posthof in der Niddastraße – von Franzke und seinem Team selbst umgestaltet und zeitweise als Büro genutzt – legen dabei ebenso Zeugnis ab von der Fähigkeit, auch bestehende Architekturen weiterzubauen, wie der Kuhhirtenturm in Frankfurt Sachsenhausen. Den spätgotischen Wehrturm saniert das Büro zwischen 2008 und 2011 und baut ihn feinfühlig zum Hindemith Kabinett um. Der Komponist Paul Hindemith hatte den Turm von 1923 an sechs Jahre lang bewohnt und in der Folge bis 1943 häufig besucht. Franzkes Eingriff räumt eine Ausstellung zu Leben und Werk Hindemiths in den Turm ein und bietet zudem Raum für Kammermusikkonzerte und Veranstaltungen verschiedener Art.

Am 6. Juli nun ist der stets ebenso ausgewählt gut wie in Architekturkreisen auffallend anders gekleidete Jo. Franzke in Frankfurt am Main gestorben.