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Hunde und Katzen, Kühe und Rehe – und immer wieder Pferde. Mal blau, mal gelb, mal schwarz, zunächst noch naturalistisch, doch bald schon expressiv gemalt und schließlich kubistisch facettiert. Franz Marc (1880–1916) ist vor allem für seine Tiermalerei der frühen deutschen Moderne bekannt. Dass Marc weit mehr war und welche Rolle er für die europäische Kunst zu Beginn des 20. Jahrhunderts spielte, verdeutlicht eine sehenswerte Ausstellung seiner Werke unter dem Titel „Die Suche nach einer besseren Welt“ im K20, der Kunstsammlung NRW in Düsseldorf, die anschließend im Kunstmuseum Bern zu sehen sein wird.
oben: Franz Marc, Der Traum, 1912, Öl auf Leinwand, 100,5 × 135,5 cm, Bild: Museo Nacional Thyssen-Bornemisza, Madrid

Marcs künstlerischer Weg begann im Jahr 1900 an der Münchner Akademie und war geprägt durch die Zeitströmungen des Naturalismus und des Jugendstils. Auf Reisen nach Paris begegnete er der französischen Avantgarde. Er ließ sich in den Bann der leuchtenden Farben des gerade aufkommenden Fauvismus ziehen und entdeckte neben Georges Braque, Pablo Picasso, Vincent van Gogh und Paul Gauguin vor allem Henri Matisse und Robert Delaunay für sich. Intensiv widmete sich Marc daraufhin seinen eigenen Farb- und Lichtstudien. Dabei wies er den Farben neben ihrer ästhetischen Funktion jeweils auch eine symbolische Bedeutung zu.

Französische Einflüsse

1911 gründete er schließlich mit Wassily Kandinsky und Gabriele Münter den Blauen Reiter und begab sich auf die Suche nach dem „Geistigen in der Kunst“. Dieses Geistige zu ergründen, ihm Gestalt zu geben und es in Worte zu fassen, beschäftigte ihn bis zu seinem frühen Tod 1916. In das Zentrum seiner malerischen Arbeiten setzte Franz Marc dabei immer wieder Tiere. Er wolle sie so malen, wird er in der Ausstellung zitiert, „wie sie selbst die Welt sehen und ihr Sein fühlen“. In den idealisierenden Tiermotiven drückte sich für Marc zunächst eine heilere, bessere Welt aus, die im Gegensatz zum technischen Fortschritt stand, dem er, wie etliche seiner reformbewegten Zeitgenossen, lange kritisch gegenüberstand.

Franz Marc, Fuchs (Blauschwarzer Fuchs), 1911, Öl auf Leinwand, 50 × 63,5 cm‚ Von der Heydt-Museum Wuppertal

Franz Marc, Fuchs (Blauschwarzer Fuchs), 1911, Öl auf Leinwand, 50 × 63,5 cm‚ Von der Heydt-Museum Wuppertal, Bild: Medienzentrum Wuppertal

Wege zur Abstraktion

Nur wenig mehr als ein Jahrzehnt war Franz Marc vergönnt, um sein eigenständiges Werk zu schaffen. Ein Oeuvre, das sich nicht statisch zeigt, sondern in einem steten Wandel befand und sehr unterschiedlichen Einflüssen offenstand. So griff Marc ebenso auf altägyptische wie auf japanische Vorbilder zurück. Gleichzeitig setzte er sich mit dem Werk der Brücke-Künstler auseinander, denen er in Berlin begegnete, sowie mit den Arbeiten seiner Freunde Wassily Kandinsky und August Macke. Dabei entfernte sich Marc zunehmend von der Gegenständlichkeit und arbeitete sich zur Abstraktion voran. Als Wegstufen dafür sind in der Ausstellung u.a. die Gemälde Das Blaue Pferd II (1911, Bern) und die Gelbe Kuh (1911, Moritzburg Halle) zu sehen. Immer mehr löste Marc in diesen Arbeiten die Landschaften in Farben auf, in die er seine Tierfiguren einbettete. Zwar erweist sich der spröde Düsseldorfer Sonderausstellungsraum einmal mehr als wenig stimmungsvoll, doch dafür entschädigt die Auswahl der großartigen Gemälde. Ein eigenes Kompartiment ist Marc als Netzwerker der Moderne gewidmet, seiner Freundschaft mit Else Lasker-Schüler und Alfred Kubin sowie ausgewählten Arbeiten von August Macke, Robert Delaunay, Wassily Kandinsky, Paul Klee und einem Teppich (1930/35) von Maria Marc. Doch Marcs Kontakte reichten weit darüber hinaus, von München über Berlin bis nach Frankreich.

Franz Marc, Die kleinen gelben Pferde, 1911, Öl auf Leinwand, 66 × 104 cm‚ Staatsgalerie Stuttgart, erworben 1957

Franz Marc, Die kleinen gelben Pferde, 1911, Öl auf Leinwand, 66 × 104 cm‚ Staatsgalerie Stuttgart, erworben 1957, Bild: Staatsgalerie Stuttgart

Verluste und Visionen

Überschattet wird Marcs Wirken von einem doppelten Verlust. Da ist zum einen das Drama um sein Hauptwerk, den ikonischen Turm der blauen Pferde von 1913. Von Ludwig Justi für die Berliner Nationalgalerie erworben, wurde das Gemälde von den Nationalsozialisten in der Ausstellung „Entartete Kunst“ gezeigt. Nach 1945 soll der Turm der blauen Pferde – möglicherweise – noch einmal in einem Haus nahe dem Berliner Schlachtensee gesehen worden sein und ist doch vermutlich für immer verloren gegangen. Tragischer noch ist der Verlust der nie gemalten Bilder von Franz Marc, der am 4. März 1916 an der Westfront von einem Granatsplitter tödlich verwundet wurde. „In meinen ungemalten Bildern steckt mein ganzer Lebenswille“, schrieb er zuvor. (Briefe, Aufzeichnungen und Aphorismen. Erster Band, https://www.gutenberg.org/ebooks/53846).

„Viele, die die innere Glut nicht haben, werden frieren und nichts fühlen als eine Kühle und in die Ruinen ihrer Erinnerungen flüchten. Wehe den Demagogen, die sie daraus hervorzerren wollen. Alles hat seine Zeit und die Welt hat Zeit.“ So prophetisch Marcs Gedanken rückblickend klingen, so klar war er sich über die kommende Kunst und Welt: „Wir werden im 20. Jahrhundert zwischen fremden Gesichtern, neuen Bildern und unerhörten Klängen leben.“ Wie hätten die unbeschrittenen Wege des Künstlers nach dem Ersten Weltkrieg wohl ausgesehen? Hätte er gar gemeinsam mit seiner Frau Maria und seinen Vertrauten Kandisky und Klee den Weg ans frühe Bauhaus nach Weimar gefunden? Zumindest eine Ahnung davon, welche Gestalt Marcs neue Bildwelten hätten annehmen können, vermitteln in der Ausstellung seine großartigen Skizzen aus dem Felde. Diese kleinformatigen abstrakten Kompositionen, organisch bewegt, fast kristallin, stoßen das Tor zu einer neuen Welt auf, das zu durchschreiten, Franz Marc nicht vergönnt war.

Blick in die Ausstellung „Franz Marc. Die Suche nach einer besseren Welt“, Bild: Achim-Kukulies

Blick in die Ausstellung „Franz Marc. Die Suche nach einer besseren Welt“, Bild: Achim-Kukulies

Franz Marc. Die Suche nach einer besseren Welt
Bis zum 24. Januar 2027
Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen
K20 Grabbeplatz
Grabbeplatz 5, 40213 Düsseldorf
Weitere Information >>>

26. Februar  bis 4. Juli 2027
Kunstmuseum Bern
Hodlerstrasse 8–12
3011 Bern

Katalog bei Hantje Cantz >>>