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Nordseite der Pinakothek der Moderne. (Bild: David Kasparek)
Das Architekturmuseum in München zeigt seit 2002 Ausstellungen auf einem herausragendem Niveau. Nun steht seine Zukunft auf dem Spiel. Das bundesweit ohnehin spärliche Angebot von Orten, an denen regelmäßig über Architektur und Stadt informiert und diskutiert wird, könnte kleiner werden. Damit dürfen wir uns nicht abfinden.

Es geht um etwa 600 von insgesamt rund 12.000 Quadratmeter. Also um fünf Prozent. Und es sind wegen des Tagesseitenlichts nicht die besten Ausstellungsflächen für Ausstellungen mit originalen Kunstwerken. Trotzdem soll das Architekturmuseum der Technischen Universität München diese Flächen abgeben. So sieht es der Bericht einer Kommission vor, der im Juli vorgelegt wurde. Sie empfiehlt, „die heutige Zuteilung der Ausstellungsräume innerhalb der Pinakothek der Moderne aufzulösen und zu prüfen, inwieweit die Nutzung der Räume zu flexibilisieren wäre.“ Im Moment sind in der Pinakothek der Moderne vier Museen untergebracht, neben dem Architekturmuseum (A.M.) sind das die Neue Sammlung, also das Designmuseum, die Sammlung Moderne Kunst und die Staatliche Graphische Sammlung München. Nun sollen das Deutsche Theatermuseum und die Sammlung Götz dazukommen. (Ingvild Götz hatte dem Freistaat Bayern 2014 ihre Sammlung einschließlich des Hauses, das Herzog & De Meuron entworfen haben, geschenkt. Es ist wegen Baumängeln geschlossen, seine Zukunft ist ungewiss.) Die Graphische Sammlung soll hingegen ausziehen. Dem Architekturmuseum soll zwar eine dauerhafte Präsenz gesichert werden, so der Kommissionsbericht. Aber eben keine festen Flächen, mit denen verlässlich geplant werden kann.

Dabei ist das A.M. sehr erfolgreich. Um die 120.000 von etwa 350.000 der Menschen, die die Pinakothek der Moderne besuchen, kommen ins Architekturmuseum, so Andres Lepik. Lepik ist der Direktor des A.M. und Professor für Architekturgeschichte und kuratorische Praxis an der Technischen Universität München. Er kann den Vorschlag der Kommission nur schwer nachvollziehen. „Es wird uns noch geben“, sagt er, aber wenn die Empfehlungen umgesetzt werden, „geht der feste Ort der Architektur verloren. Dann finden uns viele auch nicht mehr.“ Lepik ist noch bis 2028 im Amt. Genau in die Zeit der Neubesetzung soll also die Umstrukturierung kommen, sie soll bis 2029 vollzogen werden; ein recht ambitionierter Zeitplan also. Nicht ausgeschlossen, ob mit der Neustrukturierung und den neu aufgenommenen Sammlungen nicht auch umgebaut werden wird.

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Blick von außen auf die Ausstellungsräume des Architekturmuseums. (Bild: Jan Gutjahr, 2025)

Breite Unterstützung für das A.M.

Es gibt einige Andere, die ebenfalls nicht nachvollziehen können, was die „Reformkommission Museumsoffensive“ das A.M. betreffend vorschlägt. Lepiks Vorgänger, Winfried Nerdinger, der das Architekturmuseum etablierte und ihm seit der Eröffnung der Pinakothek 2002 die Räume im nördlichen Erdgeschoss gesichert hatte, verweist auf die Schwierigkeiten, internationale Leihgaben zu erhalten und Kooperationen zu realisieren, die mit dem Verlust der zuverlässig zur Verfügung stehenden Flächen einhergingen. Ein offener Brief von Anna-Maria Meister, der hauptsächlich von Kurator:innen, Museumsdirektor:innen und Architekturtheoretiker:innen unterschrieben wurde, betont Bedeutung des Museums als Ort der Vermittlung, als Ort der Demokratiebildung: „Die gebaute Umwelt spielt eine zentrale Rolle bei gesellschaftlichen Themen wie der Zukunftssicherung von Städten, der Wohnungskrise oder dem infrastrukturellen Wandel, um nur ein paar zu nennen. Dennoch ist sie in deutschen – und bayerischen – Museen stark unterrepräsentiert.“ Und sie weist zudem darauf hin, dass die Fenster für andere Ausstellungen verdunkelt werden müssten, „wodurch ein weiterer Abschnitt des städtischen Erdgeschosses der Maxvorstadt der öffentlichen Sicht und Interaktion entzogen würde.“  Studierende betonen die Bedeutung des A.M. für die Lehre.

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Das Architekturmuseum als Schnittstelle der Pinakothek der Moderne zur Öffentlichkeit. (Bild: Wikimedia Commons, CC BY-SA 2.0; Fred Romero)

Der BDA Bayern beruft sich aud die Bayerische Verfassung, die den Staat verpflichtet, „die kulturellen Grundlagen unseres Landes zu schützen und zu fördern.“ Der BDA hält fest, dass das Museum wichtig sei, weil es keines der Architektenschaft sei. Das wird nicht nur durch die Besucherzahlen bestätigt, sondern vor allem durch das Programm. In dem dominieren nicht die Präsentationen von vorbildlichen Bauten, Architekturpreisen, guten Beispielen, die, würden sie doch nur öfter zu finden sein, so vieles besser machen könnte. Es geht viel öfter um die größeren gesellschaftlichen, politischen, wirtschaftlichen Zusammenhänge, die dafür sorgen, dass unsere Welt so aussieht, wie sie aussieht – und die zu Konsequenzen führen, die uns oft genug nicht bewusst sind. Zuletzt ging es um Lebensmittelproduktion und deren Folgen auf Böden, Landschaften, Klima – und darum, dass es Alternativen gibt. Es ging um die realen und physischen Wirkungen der Digitalisierung, um Obdachlosigkeit und um die Bezüge zwischen Raum, Gewalt und Aktivismus. Um Krankenhäuser, den öffentlichen Raum, den Wohnungsmarkt. Hier hat das A.M. ein eigenes Profil entwickelt, das es für die öffentliche Diskussion bundesweit unersetzlich macht. Eigentlich.

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Blick in die Ausstellung »City in the Cloud – Data on the Ground« von 2025. (Bild: CPWH)

Dass die Kommission dies anders sieht, hängt möglicherweise damit zusammen, dass diese Bedeutung bislang organisatorisch nicht ausreichend berücksichtigt war. Eine weitere, vom Architekten Andreas Garkisch initiierte Petition zielt darauf ab, das Architekturmuseum überhaupt erst verlässlich als selbstständiges Museum aufzustellen – und ihm damit die institutionelle Verankerung zu sichern, die bislang fehlt. Die Nutzung der Räume in der Pinakothekt sei bislang, so Lepik, Gewohnheitsrecht gewesen, eben ohne die institutionelle Einbindung. So lässt es sich leicht aus der Verantwortung stehlen. Etwas verschwurbelt heißt es im Bericht über das A.M., „eine historisch begründete Zugehörigkeit zur TUM bleibt konstitutiv, steht jedoch einer vollständigen institutionellen Integration in die Pinakothek der Moderne entgegen.“ Sprich: Weil es an den Lehr- und Forschungsbetrieb der Universität gebunden ist, wird das Architekturmuseum nicht wie bislang Teil der Pinakothek bleiben. Das ist durch und durch bürokratische Denke, in deren Konsequenz am Ende Qualitäten zum Vorwand für eine Marginalisierung werden: Denn ohne die Bindung an den Lehr- und Forschungsbetrieb hätte es die meisten Ausstellungen des A.M. doch gar nicht geben können. Nun wird es fraglich, ob sie zukünftig auf dem bisherigen Niveau zu realisieren sein werden. Denn vor jeder Ausstellung müsste geklärt werden, wo sie stattfinden kann. Das verkomplizierte die Planung enorm.

Bevor nun aber der Landtag entscheidet, sollte nachgeholt werden, was bislang versäumt worden war: eine öffentliche Diskussion, geht es doch in der vorgeschlagenen Strukturreform um eine umfassende Umstrukturierung der Bayerischen Museumslandschaft. Dass der Bericht vor den Sommerferien öffentlich wurde und eine Landtagsentscheidung schon im Herbst geplant ist, legt die Vermutung nahe, dass man diese Diskussion vermeiden möchte. Eine Diskussion, die dann auch gezielt weiteres Fachwissen einbinden müsste, wäre aber wichtig, auch, weil der Kommissionsbericht von einem Wirtschaftsprüfer und dem Geschäftsführer eines Investmentunternehmens im direkten Auftrag des Ministers herausgegeben wurde, die zwar eine Nähe zur Kunst, aber nie in einem Museum gearbeitet haben.

Armutszeugnis als Chance?

Wie nun weiter? Wie weiter angesichts einer auch auf anderen Feldern betriebenen Schwächung von Diskursen und Diskursgrundlagen, die unerlässlich sind, gerade für das immer wichtiger werdende Bauen im Bestand? Die Frage stellt sich, wie angesichts der Gier von Rechtspopulisten, diesen Diskurs zu steuern, regulierend in Forschungsinhalte und die Hochschulautonomie einzugreifen, dessen notwendige Qualität gesichert werden kann. Die föderale Struktur erweist sich möglicherweise insofern als eine Schwäche, als dass die Verantwortung für einen zentralen Ort bundesdeutscher Diskurslandschaft in den Händen eines Bundeslands liegt, der diese Verantwortung bislang mehr oder weniger alleine übernommen hat.

Schon bisher ist es ein Armutszeugnis, dass es bis auf das A.M. mit dem Deutschen Architekturmuseum in Frankfurt nur ein weiteres Museum gibt, das dem Bauen und dessen kultureller Dimension gewidmet ist – und das ist ein städtisches Museum. Das DAZ in Berlin ist ein von einem Berufsverband getragener Ort von Ausstellungen; doch dessen bisheriges kuratiertes Ausstellungsprogramm wird zunächst einmal beendet. Einige Galerien in Berlin, Hamburg, München, Stuttgart, Karlsruhe und anderswo werden, wenn sie nicht durch die Ausstellenden, die Wirtschaft oder eine Berufsorganisation finanziert sind, vom Ehrenamt getragen und leisten eine Arbeit, die stets davon bedroht ist, wegen fehlender Mittel beendet werden zu müssen. Der Bund hingegen gönnt sich gleich zwei Bundesstiftungen, die in ihrem Profil nicht außerordentlich scharf voneinander abgetrennt sind.

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Eingangsfront der Pinakothek der Moderne. (Bild: Myrzik und Jarisch)

Auch wenn man mit einem Kulturstaatsminister, der trotz fehlender Zuständigkeit die Axt an eine öffentlich-rechtliche Medienanstalt legen möchte und damit der AfD in die Karten spielt, wenig Hoffnung auf eine zukunftsweisende Diskussion haben darf. Als Wunsch darf man es ja äußern: dass eine Debatte geführt wird darüber, wie man sich den Diskurs über und die Vermittlung von den kulturellen Grundlagen unseres alltäglichen Lebensumfelds zukünftig vorstellen darf. Außerhalb der Fachzirkel. Länderübergreifend. Finanziell gesichert, institutionell verankert, seiner kulturellen Dimension endlich angemessen. Was das Subsidiaritätsprinzip hier leisten kann – und was nicht. Wie Bund, Länder, Kommunen, freie Trägerschaften zusammenwirken können. Der Moment für eine solche Diskussion könnte günstig sein: Die Bundesstigftung Baukultur wird am Januar 2027 mit Anne Schmedding eine neue Vorstandsvorsitzende bekommen, Elena Wizorek ist seit gerade einem Jahr Direktorin der Bundesstiftung Bauakademie, beim Frankfurter DAM steht der Wechsel bevor. Das Wiener Architekturzentum und das Schweizerische Architekturmuseum könnten in die Diskussion eingebunden werden, in Wien wird Doris Kleilein das Amt als Direktorin im Januar antreten, in Basel ist Adam Szsmczyk seit diesem Jahr im Amt.

Vielleicht ist die drohende Schwächung des A.M. eine Anlass für diese Debatte, bevor weitere Verluste hinzukommen. Gerade weil es so wenige Orte für den öffentlichen Architekturdiskurs gibt, wäre jeder weitere Verlust schmerzhaft.

In München hat es den Anschein, als ob die Dimension der Umstrukturierung, ein Konzept für die „staatlichen Museen Bayerns für Kunst und Kultur“ zu erstellen – ohne Zweifel ein umfassender und anspruchsvoller Auftrag – dafür gesorgt hat, dass das A.M. als nachgeordnet relevant eingeordnet wurde, ist es doch klein im Vergleich zu vielen anderen Museen. Das heißt aber auch: Die Kommission hat bestehende Verhältnisse bestätigt. Und genau das ist das Problem: Wenn bestehende Realitäten als Grund dafür genommen werden, an ihnen nichts zu ändern, ändert sich eben auch nichts. Wenn dann auch noch die Voraussetzungen dafür geschaffen werden, diese Realitäten irgendwann einmal rückblickend rechtfertigen zu können, dann ist man nahe an dem, was der Volksmund derb mit dem Sprichwort vom Teufel und dem größten Haufen auf den Punkt bringt.


Transparenzhinweis: Der Autor dieses Textes hat die von Andreas Garkisch initiierte Petition zur Zukunft des Architekturmuseums unterzeichnet und ist ehrenamtlich für die Architekturgalerie am Weißenhof in Stuttgart tätig.