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International löst sich die regelbasierte Ordnung mehr und mehr auf. Europäer wollen ihre „Werte“ eher mit kriegerischer, sogar atomarer Aufrüstung statt mit Diplomatie verteidigen. Die Wertediskussion hat über den Pritzker-Preis und im Kontext des DAM-Preises auch die Architektur-Debatten erreicht. Was ist in der Architektur schön, gut und / oder richtig? Zeit für eine Revision vermeintlicher Gewissheiten – und eine Rückbesinnung auf längst Bekanntes, das gegenwärtig ästhetisierte Tradition als Geschmacksverirrung entlarvt. Und eine Hommage an Jürgen Habermas.

Wer hat das gebaut? Ein Architekt? Ein Investor mit einer anpassungsfähigen Architektin? (Foto: Ursula Baus)

In den Epstein-Kreisen erweist sich die Macht- und Finanzelite gerade als teils recht kriminelles Männergesindel. Männer – und nur die sind es gerade – pfeifen aufs Völkerrecht.1) Kriegerisch handeln ist auf ein Mal gesellschaftsfähig.

David Kasparek hat Ende Februar in diesem Magazin die elenden Entwicklungen beim Pritzker-Preis erläutert, den nun Mitte März Smiljan Radic Clarke erhalten hat.2) Zeitgleich brach in der Presse eine Diskussion über die Ergebnisse des diesjährigen DAM-Preises los.3) Was soll Architektur nicht alles sein! Schön, gut, identitätsstiftend, ökologisch einwandfrei – das heißt klimagerecht und umweltfreundlich, recyclebar –, funktional, nachhaltig, am besten in und mit dem Bestand gebaut, preisgünstig, langlebig, aus dem Care-Gedanken entwickelt, neuen Wohn- und Arbeitsformen und privatwirtschaftlichen Unternehmensinteressen angepasst – und mit den Wünschen der Menschen soll sie stets konform sein, durch Beteiligungsverfahren legitimiert, Vitruv hin, Schinkel und Frei Otto her. Zuletzt soll Architektur auch emotionales Glück bescheren, wie aktuell in „die architekt“ als Architekurwahrnehmungsgebot eingefordert.4) Und wer bringt sich nicht alles in Stellung, um einzelne, subjektiv für wichtig erachtete Architektureigenschaften normativ anzumahnen. David Kasparek erörtert diese Problematik im aktuellen Magazin für die Auszeichnung max 40.

Schön und eher nicht gut

Die gegenwärtige Aufregung ist vor einem Backlash zu sehen, der Branchen und Länder, Religionen und Staatsformen betrifft. In dem werden uns vermeintliche Wahrheiten aufgetischt, die teils haarsträubend falsch sind, was geschichtswissenschaftlich unumstritten ist. Nicht zuletzt steht der „Verrat am Möglichen“ im Raum, der sich erweitern ließe als Verrat am Denkbaren.5)

Um nun in aktuellen Architekturfragen konkret zu werden. So argumentiert Matthias Alexander (siehe Anmerkung 1) sinngemäß – und in diesem Sinne beispielsweise auch in Teilen viele andere6) –, dass „die“ Menschen doch die Altstädte schön fänden und hin pilgerten, und dass man sich deswegen als Architekt oder Architektin am Tradierten orientieren solle, weil es auch substanziell gut sei. Da ist mal wieder ein falscher Gegensatz konstruiert: Das Eine – Tradiertes – schließt das Andere – Neues – nicht aus, wird aber je nach Intention als Feindbild ausgearbeitet.

Hübsch, klein, eng, gemütlich, idyllisch, schön? Wer möchte in dieser Gasse wohnen und auf der Bank vor dem Haus auf das gegenüberliegendende Tor schauen? (Foto: Wilfried Dechau)

Hübsch, klein, eng, gemütlich, idyllisch, schön? Wer möchte in dieser Gasse wohnen und auf der Bank vor dem Haus auf das gegenüberliegende Tor schauen? (Foto: Wilfried Dechau)

Begriffschaos – „die“ Menschen, „die Fachwelt“

Tja, rudel- also busweise werden TouristInnen zum Kaffeetrinken, zum unterhaltsamen Kulissen und Selfies knipsen in aufgehübschte Altstadtzentren gekarrt, in denen sie, „die“ Menschen, aber keineswegs wohnen möchten. Das belegt der Leerstand in historischen Innenstadtlagen – wenn es nicht gerade Boomtowns sind, über die – wie in München – zum Beispiel Google-Mitarbeiter wie Heuschrecken herfallen. Die Wohnungen in schnuckeligen Altstädten sind zu klein, das Umfeld zu laut, und vor allem: kein Parkplatz, keine Doppelgarage vor der Haustür. Die vermeintliche Schönheit wird vielmehr ausgemacht, wo das Vertraute im Sinne kanonisierter Architektur-und Stadtgeschichte bildmäßig und mit Eisdielen, Wirtshäusern und sonstigen touristischem Souvenir-Plunder vermarktet wird. Und dabei wird ignoriert, dass touristische Attraktivität herzlich wenig mit dem zu tun hat, was „die“ Menschen in der Architektur schön oder gut oder funktional finden. „Fließend geht ein Schönfinden in ein Habenwollen über“.7) Das betrifft im Altstadt-Tourismus Bild und Plunder, aber in der Architektur das eigene Haus oder die Wohnung.

Schönheit liegt, wie es Thukydides geahnt hat und heute zum Beispiel beim MPI für empirische Ästhetik erforscht wird, im Auge des Betrachters.8) Der Begriff Schönheit wird in öffentlichen Debatten dagegen als diffus überlieferte Kategorie des Ästhetischen argumentativ übel missbraucht, wenn sie normativ mit einem fragwürdigen Eigeninteresse auf „die“ Menschen projiziert wird. Es wird dabei leider nicht das Ästhetische vom Ästhetizistischen unterschieden. Denn keineswegs wird auf die konkreten, sehr vielfältigen Formbedingen eines für schön Gehaltenen oder Behaupteten eingegangen und der Kontext des „Geschmacks“ berücksichtigt. Darauf kommt es aber an.9)

Man muss keineswegs lang suchen, um solche "Traumhäuser" zu finden. (Foto: Ursula Baus)

Man muss keineswegs lang suchen, um solche „Traumhäuser“ zu finden. (Foto: Ursula Baus)

Wenn man nun schauen möchte, was „die“ Menschen schön – und vielleicht auch gut – in der Architektur finden, gehe man in ein Einfamilienhaus-Neubaugebiet, seit der Mitte des 20. Jahrhunderts die Inkarnation individualisierter Architekturvorlieben. Immer wieder muss darauf hingewiesen werden, dass die Komplexität, mit der derart gebaute Umwelt zustande kommt, keine simplen, pauschalen Erklärungen zulässt. Im Einfamilienhausgebiet darf nun jede/r machen, was er/ sie will, sofern es dem mühsam erarbeiteten Bebauungsplan entspricht. Der Bebauungsplan kann inzwischen als mehr oder weniger taugliche Strategie begriffen werden, die dem Wahnwitz des egozentrischen, zwangsläufig architektonisch und ästhetisch „ungebildeten“ Individuums Einhalt gebietet und das Vorrecht beispielsweise des öffentlichen Raums als Ort des Gemeinsamen, Überindividualisierten schützt und verteidigt.10)

Die Bemühungen, Architektur in das Schulprogramm zu bringen, sind gewiss lobenswert. Aber erweisen sich als mühsam und nicht alltagstauglich. Es können auch nicht Jeder und Jede Architektur studieren. Architektur-Volkshochschulkurse oder Ähnliches wären relativ nutzlos, weil nur auf freiwilliger Basis zu besuchen. Zudem wird in fachlich begleiteten Beteiligungsverfahren die verständliche Eigeninteressen-Verfolgung der Beteiligten durchaus deutlich. Und was an Nachbarschaftsstreitigkeiten vor Gericht landet, wäre durchaus eine Dissertation wert.

Erkennbar alt, erkennbar neu – nicht erkennbar: der Nachbarschaftsbezug der neuen Architektur. (Bild: Ursula Baus)

Erkennbar alt, erkennbar neu – nicht erkennbar: der Nachbarschaftsbezug der neuen Architektur. (Bild: Ursula Baus)

Bei Linkedin wurde nun argumentiert, „die Fachwelt“ biete „keine ästhetische Orientierung und Identität mehr“ und die Frage gestellt, ob die „Angst vor Schönheit in der Fachwelt so groß“ sei, „dass wir lieber die Augen vor der Seelenlosigkeit vieler Neubaugebiete verschließen?“
Wie in den Beiträgen der FAZ und NZZ offenbart sich hier ein fatales Durcheinander von Begriffen und Bedeutungen. Besteht „die Fachwelt“ aus den über 140.000 kammerverzeichneten ArchitektInnen? Aus den ungezählten Vertretern der Immobilienwirtschaft, die an der Schnittstelle zwischen Gebautem und „Verbrauchern“ agieren? Gehören die Fertighausproduzenten dazu, die alles anbieten, was das Hauskäuferherz begehrt – weil sie mit Marktforschung ermitteln, was dies ist?
Wer in dieser „Fachwelt“ hat nun welche „ästhetische Orientierung“ für wen zu bieten? Hier ließe sich eine Gestaltungssatzung erwähnen, die aber im besagten Linkedin-Beitrag11) gleich mit der nächsten verbalen Keule zertrümmert wird: „Gestaltungssatzungen heilen keine Seelenlosigkeit, sie verwalten sie nur.“ Ach, die Seele! Edle Einfalt, stille Größe – auf Winckelmann und die Folgen ist zurückzukommen.

Werte – und Abstraktion

Was also erkennen wir im Einfamilienhausgebiet außen und in Wohnungseinrichtungen innen in der bauhistorisch zu begleitenden Idee des Architekturschönen? Wenn es darum geht, dass „die“ Menschen zusammenleben wollen und müssen, scheitert ein semiotisch verkrusteter Schönheitsbegriff, der gegenwärtig normativ missbraucht wird, ausgerechnet am Individuum und dessen Idee zum guten Leben. Das Individuum ist nämlich ein marktwirtschaftlich ungemein reizvolles Subjekt, manipulierbar im Sinne aller Warenästhetik. Es stimmt ja: Architektur ist eine Ware, deren Produktionsunternehmen – also vor allem Immobilienunternehmen, Wohnungsbaugesellschaften, Fertighausproduzenten und auch ziemlich viele Architekturbüros – sich mit ökonomischem Eigeninteresse der Kundschaft anbiedern. Wer sich diese „Waren“ nicht leisten kann, versucht das Bauen in Eigenregie mit Baumarktsortimenten.

Um nicht missverstanden zu werden: Es gibt herausragende Initiativen, Stiftungen, Architekturbüros und Individuen, die es genau anders machen möchten und können. Aber sie spielen Nebenrollen im Theater des rentablen, kommerzialisierten Bauens, das keinen Anspruch mehr auf Zugehörigkeit zu den „artes liberales“ erheben kann. Das kann, ja, muss man bedauern. Und zudem beklagen, dass politische Instrumente wie der „Bauturbo“ die knapper werdenden Ressourcen Boden und Baukultur aufs Äußerste bedroht. Hier kommen nun Segmente einer Wertediskussion ins Spiel, die mit konkreter Ästhetik wenig zu tun haben: Werte in der Politik, Wirtschaft, Ethik, Technik weisen teils einen Abstraktionsgrad auf, der sich der Ästhetik als unmittelbarer Wahrnehmungs- und Anschauungswissenschaft entzieht. Solche Werte müssen also hermeneutisch einbezogen werden. Dies im einzelnen auszuführen, führt hier zu weit, vielmehr soll es beim Gebrauch des Begriffs Schönheit bleiben.

Schönheit und Geschmack

Neu stellen sich die genannten Fragen leider nicht.12) Sie betreffen auch die Debatten um die Schönheit des Menschen, deren Wandlung sich wie eine Geschichte des Humanismus zum Kapitalismus mit der Gefahr des „Erlöschens des Menschengeschlechts“ analysieren ließe.13) Bereits vor fünfzehn Jahren kommentierte ich die fehlende Debatte zum ästhetischen Pluralismus in der Architektur (siehe Seitenspalte) in einem kurzen Beitrag, aber man muss gleichzeitig verfolgen, wie sich ein anything goes als architektonische Praxis durchgesetzt hat – keineswegs gegen den Willen einer Gesellschaft, die sich als pluralistisch definiert. Sie ist tagtäglich mit Auseinandersetzungen über Entscheidungsprozesse konfrontiert und lähmt sich darin auch. Etwa, wenn Pläne beraten, verhandelt, verteidigt, geändert, optimiert, dann genehmigt und schließlich in der Ausführung auch noch präzisiert, angepasst und korrigiert werden müssen. Mit „Schönheit“ als entindividualisierter Norm hat es in diesen Zusammenhängen wenig auf sich. Und erst recht nicht mit dem interesselosen ästhetischen Urteil im Sinne Kants.

Die sich mehr und mehr individualistisch – und damit eben pluralistisch – auseinander dividierende Gesellschaft weiß mit normativ definierter Schönheit nichts anzufangen, weil ästhetisches Empfinden nach individueller Distinktion strebt. Und dann ist nunmal eher vom Geschmack zu reden, der nach Originalität verlangt und von Jenen als Schönheit angepriesen wird, die ihren Geschmack normativ behaupten. Ulrich Raulff hat in seiner 2025 erschienenen „Geschichte des Geschmacks“ genau diesen Unterschied zwischen Schönheit und Geschmack ausgearbeitet und dabei nochmals an Winckelmann (1717-1768) erinnert, der in seinen „Gedancken über die Nachahmung der Griechischen Wercke in der Mahlerey und Bildhauer-Kunst“ mit unglaublichem Aufmerksamkeitspotenzial das europäische Verhältnis zu Vorfahren und Traditionen bestimmt hat.14) Winckelmann war nie in Griechenland. Man würde den Homme de lettre Winckelmann heute vielleicht als genialen Influencer bezeichnen, als „tastemaker“, dem die Kanonisierung griechischer Antike im Sinne eines Idealschönen aufs Beste gelungen ist – oder eben: missraten. Mit Nachwirkungen bis in heutige Traditionalismen.

Zur ästhetischen Distinktion gehört, Andere oder Anderes zu diskreditieren. So verfuhr auch Winckelmann. Zu bedauern ist, dass in FAZ und NZZ und anderen konservativen Kreisen Schönheit mit Geschmack verwechselt wird. Und dieser – der Geschmack – nur zur ständischen Distinktion einer überheblichen, nicht einmal akademisch relevanten Meinungsmache missbraucht wird. Genau das entspricht nicht dem „herrschaftsfreien Diskurs“, wie ihn Jürgen Habermas beschrieb, sondern dem erkenntnislosen Erstreiten einer Deutungsmacht.

In Architekturpreisen feiert nun – neben der Schönheits-Verabsolutierung – eine weitere ästhetische Kategorie immer wieder fröhliche Urständ, auch die Presse giert nach dem, was Aufmerksamkeit beschert: das Spektakuläre. In der Rubrik „Technik & Motor“ – neben dem „Immobilien“-Teil eine extrem wirtschaftsnahe Rubrik – zeigte die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung am 15. März 2026 unter dem Titel „Wo Wahrzeichen Wirklichkeit werden“ etwas sehr Typisches: „ambitionierte Bauwerke von beachtlicher Größe und architektonischer Raffinesse“.15) Das Spektakuläre geht aber vollends an dem vorbei, was jenseits des vermeintlich Schönen, des Geschmackvollen, des Spektakulären dringlich ist. Es sind ökologische, soziale und ökonomisch sinnvolle Kriterien, die heute für Architektur- und Stadtentwicklungen relevant sind. Sowieso ist die Auseinandersetzung mit dem Bestand in der Vordergrund gerückt, weil Abriss und Neubau in neu zu erschließenden Gebieten in hohem Maße unvernünftig sind. Herausragende Architekturprojekte und -gedanken dazu sollten die von FAS und NZZ losgetretene, etwas lächerliche Debatte ganz schnell vergessen lassen.

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung am 15. März 2026: ein Paradebeispiel falscher Gegensätze.

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung am 15. März 2026: ein Paradebeispiel falscher Gegensätze.

Immer wieder: falsche Gegensätze

Zumal, geradezu bizarr in derselben FAS in der Rubrik „Wert & Wohnen“ das Thema „Feindbild Bauhaus“ thematisiert wurde16) Wie unglaublich oberflächlich hier zwei Bilder gegeneinander gesetzt sind, spricht Bände. Das obere Bild zeigt eine Straße mit den „Objekten“, die jegliches Begegnen im öffentlichen Rum zunichte machen: Autos, Autos, Autos. Das Wetter: etwas diesig, an den Bäumen kein Grün. Unten: Ausschnitte prunkhafter Architektur mit blühenden Blumen und belaubten Gewächsen in Töpfen. Die Straße – mutmaßlich – mit von Autos zugestelltem öffentlichen Raum ist einfach weggelassen. Der Beitrag rekurriert auf die seit Jahrzehnten überaus dumm geführten Debatten zwischen Tradition und Moderne, die weder der Tradition, noch der Moderne gerecht werden. Erbärmlich.

Jürgen Habermas' Wohnhaus in Starnberg, 2019 (Foto:wiki commons, Brutarchitekt)

Jürgen Habermas‘ Wohnhaus in Starnberg, 1971-72 von Hilmer & Sattler gebaut; Aufnahme 2019 (Foto: wiki commons, Brutarchitekt)

Die Liebe zur Vernunft

Statt eines Nachrufes: Im Verständnis zur Bedeutung, Struktur und politischen Aufgabe der Öffentlichkeit gab es für mich niemanden, der sie so glänzend erforscht und praktisch befolgt hat wie der jetzt 96-jährig verstorbene Jürgen Habermas. Seine Ideen des herrschaftsfreien Diskurses, des „zwanglose[n] Zwang[s] des besseren Arguments“ und seine unbestechliche Geistesgegenwart präzisieren die Offenheit, mit der Debatten geführt werden müssen, um friedlich miteinander leben zu können. Vernunft ist die Basis dieser Offenheit, die durch intentional konstruierte Gegensätze nicht verhindert werden kann, solange es vernünftige Menschen gibt, die sie als falsch analysieren können. Einen Beitrag von Jürgen Habermas hatte Wolfgang Welsch in seine Sammlung  „Schüsseltexte der Postmoderne-Diskussion“ (Weinheim 1988) aufgenommen. Darin geht es um moderne und postmoderne Architektur, wobei sich Habermas einmal mehr geradezu hellseherisch äußerte und die ungelösten Probleme der Moderne ansprach, „– ich meine die Kolonialisierung der Lebenswelt durch Imperative verselbständigter wirtschaftlicher und administrativer Handlungssysteme“. Schrieb Habermas vor 38 Jahren! Es sind die bis heute ungelösten Probleme. Denen mit Mutmaßungen zur Schönheit von Architektur nicht begegnet werden kann.


1) Ausführlich dazu (u.a. „präventive Selbstverteidigung“, Staatenimmunität, Genozid und Zerstörung des gebauten Menschheiterbes): Christoph Safferling: Ohnmacht des Völkerrechts. Die Rückkehr des Kriegs und der Menschheitsverbrechen. München 2025

2) Gerhard Matzig: Kommentar Pritzker an Silman Radic Clarke, in: Süddeutsche Zeitung, 14./15.3.2026

3) Beiträge zur aktuellen Diskussion:

> Matthias Alexander: Sehen so die besten Bauten in ganz Deutschland aus? In: FAZ, 5.2.2026 (https://www.faz.net/aktuell/feuilleton/kunst-und-architektur/architektur/sehen-so-etwa-die-besten-bauten-in-ganz-deutschland-aus-110831150.html)

> Gerhard Matzig: Dröhnendes Schweigen. Tom Pritzker gibt wegen seiner Verwicklung in den Epstein-Skandal seinen Posten als Hyatt-Vorstand auf. Was wird jetzt aus dem Nobelpreis der Architektur, der seinen Namen trägt? In: Süddeutsche Zeitung, 17.2.2026

> Rico Bandle: Hässlich gilt als gut – Schönheit ist in der Architektur schon lange kein Kriterium mehr. In: NZZ, 17.2.2026 (https://www.nzz.ch/feuilleton/ueberall-haessliche-bauten-schoenheit-ist-in-der-architektur-schon-lange-kein-kriterium-mehr-ld.1924934)

> Friederike Meyer: Im Dickicht der Lorbeeren. Zur Debatte um Architekturpreise. In: Baunetz, 20.2.2026 (https://www.baunetz.de/meldungen/Meldungen-Zur_Debatte_um_Architekturpreise_10242212.html)

> Karin Hartmann: Wird es Zeit für die Abrissbirne? In: DIE ZEIT, 21.2.2026 (https://www.zeit.de/feuilleton/2026-02/jeffrey-epstein-pritzker-hyatt-architektur-preis)

> Axel Simon: Zu wahr, um schön zu sein? Die NZZ ist von allen guten Geistern verlassen. In: Hochparterre, 23.2.2026 (https://www.hochparterre.ch/nachrichten/architektur/zu-wahr-um-schoen-zu-sein)

> Elias Baumgarten: Die dritte Umdrehung. In: german-architects, 27.2.2026 (https://www.swiss-architects.com/de/architektur-news/gefunden/die-dritte-umdrehung)

4) Form Follows Emotion? Gefühle in der Architekturwahrnehmung. Die Architekt, Nr.1 2026

5) Im Oktober 2025 fand in Basel eine mehrtägige Konferenz „Gegenmoderne“ statt, siehe Andreas Tobler: Angst und Lustgewinn. (…) Ideen, wie dem Backlash begegnet werden kann, sind rar. In: Süddeutsche Zeitung, 13. Oktober 2025

6) »Ich sehe keinen Grund, warum wir eine neue Architektursprache erfinden sollten« (Stefan Forster). Elias Baumgarten im Gespräch mit Stefan Forster. In: Swiss Architects, 6.März 2026 (https://www.swiss-architects.com/de/architecture-news/gefunden/ich-sehe-keinen-grund-warum-wir-eine-neue-architektursprache-erfinden-sollten)

7) Ulrich Raulff: Wie es euch gefällt. Eine Geschichte des Geschmacks. München 2025, Seite 35

8) https://www.aesthetics.mpg.de/, wobei hier Architektur schon nicht mehr ästhetisch kategorisiert ist.

9) Benedikt Boucsein, Elettra Carnelli, Daniel Zwangsleitner (Hrsg.): Die Macht der Bedingungen. Architektur zwischen Abhängigkeit und Wirkung. Leipzig 2025 (Rezension von Benedikt Kraft in DBZ ***)

11) Selbstbeschreibung: „Ich reduziere strukturelle Fehlerkosten in kleinen Architekturbüros – damit mehr Marge bleibt.“

12) siehe Anm. 1)

13) Winfried Menninghaus: Das Versprechen der Schönheit. Frankfurt am Main 2007, Seite 10; immer wieder zur Hand nehmen lässt sich:

> Umberto Eco (Hrsg.): Die Geschichte der Schönheit. München 2004

> Monika Leisch-Kiesl, Max Gottschlich, Susanne Winder (Hrsg.): Ästhetische Kategorien. Perspektiven der Kunstwissenschaft und Philosophie. Bielefeld 2017

14) Ulrich Raulff, s. Anm. 7)

15) Joshua Hildebrand: Wo Wahrzeichen Wirklichkeit werden. In: FAS, 15. März 2026, Seite 62-63

16) Mina Marschall: Feindild Bauhaus. Flachdach, Satteldach, Kulturkampf: Moderne polarisiert. Es geht um Identität, Macht und die Frage, wie wir leben wollen. Die AfD nutzt das. In: FrankfurterAllgemeine Sonntagszeitung, 15. März 2026, Seite 30 (siehe Abbildung)